60 Jahre Fischwirtschaft in Rostock Marienehe
Veröffentlicht: 15.02.2010
Zum größten Traditionstreffen ehemaliger Hochseefischer und Mitarbeiter der Fischverarbeitung, das es bisher in Deutschland gab, werden am 24. April 2010 in Rostock Marienehe mehr als 5.000 Gäste erwartet. Das Jubiläum 60 Jahre Fischwirtschaft in Rostock Marienehe, verbindet am Tag der Großveranstaltung die „runden Geburtstage“ 40 Jahre Fischkombinat Rostock und 20 Jahre Rostocker Fracht- und Fischereihafen (RFH).
Ehemalige Hochseefischer, Beschäftigte der einstigen Landbetreuung der Fangflotte sowie Frauen und Männer der Fischverarbeitung haben nach der Wende sowie nach der Abwicklung des Kombinatsbetriebes, in allen 16 Bundesländern und in einigen Nationen Europas eine neue Heimat gefunden. So wird die Einladung zum Traditionstreffen einer Sternfahrt aus allen Richtungen der Windrose in die größte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns gleichen.
In einigen Städten und Regionen der Bundesrepublik bestehen seit Jahren Interessengemeinschaften, in denen ehemalige Fahrensleute der Hochseefischerei ihre Verbundenheit pflegen. Der „Leipziger Hochseefischerkreis“ oder das „Kutterfest“ im thüringischen Friedrichsbrunn sind dafür nur zwei Beispiele. Auch durch diese außergewöhnlich intensiv vernetzte Kommunikation wird die Lebensleistung ehemaliger Besatzungsmitglieder und Mitarbeiter im Landeinsatz des Fischkombinates Rostock bewahrt. Mit insgesamt über 9.000 Beschäftigten war zwischen 1950 und 1990 das Fischkombinat Rostock einer der führenden Wirtschaftszweige der Stadt an der Warnow. Die Flotte wuchs mit mehreren Schiffsgenerationen auf über 100 Fahrzeuge: Logger, Trawler, Seitentrawler, Gefriertrawler, Fang- und Verarbeitungsschiffe, Kühl- und Transportschiffe, Hilfsschiffe. Rostock war seit 1965 Heimathafen der größten deutschen Fischfangreederei. Nördlich bis vor Grönland, Kanada und in die Region der Bäreninsel waren die Hochseefischer in der Fernfischerei unter oft extremen Wetterbedingungen unterwegs. Südlich ging es auf Kurse bis vor Mauretanien, in Fanggründe des Indischen Ozeans und sogar bis vor Argentinien; die Eiskante der Antarktis kam bei vielen Reisen auf Tuchfühlung nah. Die Rostocker Hochseefischer, die aus allen Teilen der ehemaligen DDR kamen, erreichten Fangergebnisse bis zu 225.000 t Fisch. Aus den Hallen der Fischverarbeitung in Rostock Marienehe und anderen Verarbeitungsbetrieben wurden bis zu 4.000 Tonnen Fischkonserven oder 3.000 Tonnen Räucherware im Jahr für die Ernährung der Menschen zwischen der Ostseeküste und dem Thüringer Wald ausgeliefert. Rund sechs Millionen Tonnen Fisch aus weltweiten Fanggebieten sind in der gesamten Betriebsgeschichte des Fischkombinates Rostock angelandet worden.
Heute befindet sich auf dem Areal des ehemaligen Großbetriebes der Rostocker Fracht- und Fischereihafen und eines der größten sowie attraktivsten Gewerbegebiete der Hansestadt. An den Kais des Hafens werden u. a. Lebensmittel, Holz, Roheisen, Steine, Dünger oder Projektladungen im Seetransport gelöscht oder geladen. Mit dem bisher besten Umschlagsergebnis von fast 900.000 Tonnen Ladung 2006 peilt der Rostocker Fracht- und Fischereihafen nach wie vor das Ziel von einer Million Tonnen Umschlag an. Im Gewerbegebiet haben sich rund 160 Unternehmen aus rund 30 Branchen mit insgesamt ca. 2.250 Mitarbeitern angesiedelt. Einige Unternehmen, die heute am Weltmarkt arbeiten, sind aus dem ehemaligen Fischkombinat hervor gegangen. Die Firma ROFIA – ein Unternehmen der KLOSKA-Gruppe (Bremen) – liefert für die große Hochseefischerei ihre gewaltigen Netzkonstruktionen und andere Fischereiausrüstungen an Flotten und Fangbetriebe auf drei Kontinente. In aller Welt gefragt sind auch die Erzeugnisse des Unternehmens ROSOMA. Maschinen und Anlagen für die Fischverarbeitung aus Rostock haben bei Kunden in Europa und Übersee, wegen ihrer Qualität, einen hervorragenden Ruf. Firmen des Fisch-Großhandels setzen in der Gegenwart auch die Branchentradition des Fischereistandortes Rostock Marienehe fort.
Zum Jubiläumsfest der Rostocker Hochseefischer wird eine Flotte besonderer Schiffe im Hafen von Marienehe anlegen: Die Brigantine „Greif“, das Flaggschiff der Traditionssegler Mecklenburg-Vorpommerns, gibt sich mit seiner Besatzung ebenso die Ehre einer maritimen Visite, wie moderne Schiffe der Meeresforschung, der Fischereiaufsicht, Hochseeschlepper oder ein „Kreuzer“ der Seenotretter Deutschlands.
Beim Bühnenprogramm des 24. April 2010 werden Shantys der Crew „Luv un Lee“ (Rostock) ebenso geboten, wie maritime Melodien des Blasorchesters der Hansestadt. Fischertänze der Warnemünder Trachtengruppe oder die Präsentation eines, dann noch druckfrischen Buches zur Geschichte des Fischereistandortes Rostock ergänzen das Programm ebenso, wie Interviews mit ehemaligen Hochseefischern. Was wäre ein Hochseefischer-Treffen ohne Fisch? Nichts weiter als ein Netz ohne Fang. Also haben die Organisatoren, die übrigens im Ehrenamt das Fest vorbereiten, eine Präsentation von Firmen für Fischverarbeitung und von Unternehmen des Fisch-Großhandels vereinbart. Über mangelnden Appetit bei der Fischverkostung wird nicht zu klagen sein.
Weitere Informationen im Internet unter: www.rostocker-hochseefischerei.de oder www.internet-hochseefischerei.de





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